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Tee thé tea oder back again

Herausgegeben von Susann in Allgemeines · 25/4/2018 09:34:00
TEE   THÉ   TEA oder Back again
 
 „Möchtest du gleich ein Abenteuer erleben oder lieber erst einen Tee trinken?“ fragte Peter. „Zuerst den Tee!“ sagte Wendy schnell. (Peter Pan, J.M. Barrie)

Koffer packen bitte und fasten your seat belts, wir verreisen.

Auf unserer letzten Frankreich Reise hatten wir die Tees von Damman wieder entdeckt und beschlossen, diese unseren Gästen zu kredenzen. Adrian erzählte mir anfangs Winter, welche Teesorten er für unsere Sonntagsküche-Gäste ausgewählt hatte.

Ich war schon immer eine grosse Teeliebhaberin und das Sortiment in meiner kleinen Küche  entsprechend vielfältig. Schon als junges Ding brachte ich von meinen Englandreisen die unterschiedlichsten Sorten mit nach Hause.

Damals entdeckte ich ganz frisch den Earl Grey Tee. Ich erinnere mich an Glastonbury in Somerset und den Hightea. Es war Spätsommer und ein schroffer Wind fegte übers Land, riss die grauen Wolkenfelder auf und liess die Sonne in milchigem Gelb auf die Strassen fallen. Im Teahouse knisterte ein echtes (sic!) Feuer im Kamin, das Teekännchen und Tassen aus altem geblümtem Porzellan. Die ältlichen Damen, die ihn servierten, im selben Blumenmuster. Die Bergamotte verströmte ihren Duft weit in den Raum, die Scones dampften heiss, während die Clotted Cream darauf verschmolz und der Wind an den Fensterscheiben brach.
 
Jahre später war ich in einem viktorianischen Manor (Herrschaftshaus) in Edinburgh untergebracht. Der bislang feudalsten B&B Unterkunft meiner Reisen. Dort kredenzte die Landlady russischen Rauchtee aus einem silbernen Samowar in hauchdünnen Tässchen aus Chinabone (Porzellan). Ich war so begeistert, dass ich gleich mehrere Tassen trank. Die Wirkung des Tees liess mich die Zeit vergessen und ich wanderte 150 Jahre zurück. Das Manor war plötzlich von einem uralten und leicht verwilderten Garten umgeben, die Sonne blinzelte über eine kalte düstere Stadt, die Edinburgh halt nun mal ist. Doch weit hinten am Horizont glänzt der Firth of Forth und spiegelt zartes Hellblau an den Himmel. Damen in langen Biedermeierkleidern und Herren in Anzügen und hohen Zylindern gehen auf ihrem Sonntagsspaziergang zum Edinburgh Castle. Kinder rennen hinter ihren Holzreifen her, während die kleinen Hunde um die Wette kläffen.
 
Geprägt hat mich auch die Liebe meines Vaters zum Pfefferminztee. Er war von Beruf Gärtner und sein kleiner Gemüse- und Kräutergarten hinter dem Haus war begrünt mit Borretsch, Dill, Bohnenkraut, Basilikum, Thymian, Oregano und Mayoran sowie  verschiedenen Pfefferminzsorten, die mich heute noch faszinieren. Orangenminze, Nana, englische, glattblättrige, Spearmint und Zitronenminze. Ich staune nach mehr als 40 Jahren immer noch, woher er damals all die Sorten aufgetrieben hatte. Wenn der Sommer heiss auf die Erde brannte, gab es daheim oft einen heissaufgebrühten Pfefferminztee, den ich heute mit Marrakesch in Verbindung bringe, obwohl meine Eltern nie dort waren.

Als Adrian und ich letzten Frühling nach Marrakesch reisten, tranken wir bei den „Preisverhandlungen“ der Babouches und auch in der Tuareg-Apotheke den stark gesüssten, dampfenden Pfefferminztee, der mich ein wenig zurück zu den Erinnerungen an meinen Vater brachte. Bei den genüsslichen Schlucken schien mir, dass er von oben herab lächelte.

Allerdings lernten Adrian und ich beim Tuareg noch einen weiteren grossartigen Tee kennen. Den Berbertee. Er besteht aus 35 Sorten Kräutern, Hölzern und Gewürzen. Die Hauptnote bilden Rose, Sandelholz und Macisblüte. Ich gehe sehr sorgfältig mit diesem Tee um, denn ich weiss nicht, wann ich wieder nach Marrakesch komme. Aber wenn ich mir eine Tasse davon aufbrühe, sitze ich mit Adrian im Souk und wir hören dem „blauen Mann“ zu, wie er seine Naturmedikamente herstellt und für welche Beschwerden, was zum Einsatz kommt.

Wir waren letztes Jahr zur Zeit des Ramadans dort und er erzählte uns, dass er noch am selben Abend zurück in den Atlas zu seiner Familie fahren will, um mit ihnen Ramadan zu feiern. Ich malte mir aus, wie die Familie nach Sonnenuntergang um einen heissen Couscous im Zelt sitzt, während draussen die Saharawinde pfeifen. Meckernde Ziegen und rauschende Palmen eingetaucht im Mondlicht. Der ferne Sandsturm von der Milchstrasse erleuchtet. Während ich mir das ausmale, ist die Tasse in meinen Händen kalt geworden. Zeit einen neuen Tee aufzubrühen.
 
Ich reise übers Mittelmeer und bleibe in Marseille mit einer Tasse Lavendeltee in den Händen hängen. Kräftig verströmende Lavendelwogen, die die ganze Stadt in diesen Duft eintauchen. Obwohl ich Marseille eher mit in Olivenöl angebratenem Knoblauch und Fischen in Verbindung bringe. Das Meer, welches am Fischmarkt am Vieux Port seine Schätze in Plastikbecken kiloweise anbietet.

„Unüberriechbar“ ist die Licorne Savonnerie, die an diesem Tag ihre Seifen kocht. Es riecht nach Thymian, Rose, Sandelholz, Fleur d’Oranger und natürlich Lavendel.

Ich entdeckte ein kleines Teegeschäft, das den Tee verkauft und der mich daheim in meinen Marseiller-Sehnsuchtsmomenten trösten wird. Wenn ich alltagsmüde auf meinem Sofa sitze, schicke ich mit einer Tasse Fleur d’Oranger-Thymiantee meinen Geist nach Marseille. Lasse mich an einem meiner liebsten Plätze beim Mucem nieder und sehe den riesigen Fähren zu, die auf dem Weg nach Tanger oder Casablanca ihren Weg durchs Meer pflügen, während das Möwengeschrei über meinem Kopf losbricht, weil diese in der Ferne einen vollen Fischkutter mit Kurs auf den Vieux Port entdecken. Die warme Abendsonne wirft ihre Strahlen an die Hausfassaden im Panier, dem ältesten Viertel Marseilles, und lassen dieses golden scheinen.
 
Adrians neuester Teefund, den Thé du Berger erinnert mich an unsere Fahrten durch die Provence letztes Jahr. An den Mistral auf Les Beaux-de-Provence, der uns beinah die Felswände hinabgefegt hätte. An die Olivenmühle im Château Estoublon, in welcher wir aus ca. 10 verschiedenen Sorten Olivenöl eines auswählten und mit nach Hause brachten. An die Waldbrandwarnung am Luberon und wir deshalb einen andern Weg nach Avignon einschlagen mussten. An die weltberühmte Pont d’Avignon, von der nur ein knappes Drittel Brücke über der Rhone steht. Die breite silbern-glitzernde Rhone, die uns seit Lyon in den Süden begleitete, dieser wunderschöne Fluss.
 
Der Carcadet Provence in saftigem Rot; Hibiskusblüten, Hagebutten und rote Früchte sein Aroma. Dieser Tee ist für mich noch ein wenig unklar; ich verbinde ihn noch nicht mit einem Ort. Am ehesten erinnert er mich an meine Mutter, die den Hagebuttentee am liebsten trank. Dass man Hibiskus­blüten trinken kann, dachte sie sich sicherlich auch nie. Ich kenne diesen herbsüssen Geschmack nämlich auch noch nicht sehr lange.

Adrian und ich waren mal im Elsass an einer Delikatessenmesse und reisten dort kulinarisch quer durchs Land. Probierten dort zum ersten Mal Hibiskusblütensaft und kauften gleich ein. Salami und Ziegenkäse aus Sardinien, Oliven aus der Provence, Kastanienmus aus der Auvergne, , Pinot Gris aus dem Elsass, Poulets aus der Bresse, Käse quer durchs ganze Land. Alles Reisen.

Neulich an einer Sonntagsküche erzählte ich einem Gast, der zum ersten Mal bei uns war, dass ich es liebe unsere Gäste auf kulinarische Reisen mitzunehmen. Mit Kräutern, Gewürzen und Aromen spiele. Und ganz am Schluss des Essens machen wir die Gäste auf die schönen Tees aufmerksam, die sie vielleicht  auf weitere Reisen mitnehmen.

Nun ists Zeit für mich einen Fleur d’Oranger-Thymian Tee aufzubrühen, um die wenigen Tage bis Marseille zu überbrücken. Denn dahin reisen wir schon bald und bringen im Gepäck wieder viele Inspirationen und Freuden mit.

À bienôt, Susann

„Tee ist Ruhe und nicht Eile“ (tibetanisches Sprichwort)
 



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